Patrice "Free-Patri-Ation"

- Patrice "Free-Patri-Ation"
Universal
Rewind: Die Veröffentlichung der dokumentarischen DVD Raw & Uncut markierte im Jahr 2006, wie PATRICE heute sagt, “das Ende einer Ära”. Was folgen sollte, gehört zu den wichtigsten Kapiteln in der Entwicklungsgeschichte des Musikers und Menschen PATRICE. Nach drei international erfolgreichen Alben und Touren von biblischen Ausmaßen, hat PATRICE erneut zu sich gefunden und dabei Tore geöffnet, die ihn weithin befreien. Mit seinem vierten Studioalbum FREE-PATRI-ATION können auch seine Zuhörer diese neue Freiheit erstmals erleben.
PATRICE verkörpert schon seit Beginn seiner Karriere den Typ von universellem Künstler, der sich ungern festlegen lässt. Bereits das Gefühl, jemand könnte etwas bestimmtes von ihm erwarten, sorgte in der Vergangenheit für eine reflexhafte Verspannung. Mittlerweile erinnert er sich amüsiert an alte Vorhaben wie das, ein Blues-Album zu veröffentlichen, um damit allen Erwartungshaltungen zu trotzen. Wenn er darüber spricht, muss er lachen. Er freut sich über eine neue Selbstverständlichkeit, und die ist wortwörtlich zu verstehen.
Denn ein Teil seiner aktuellen Gelöstheit verdankt er dieser Selbstverständlichkeit, die er sich in den letzten zehn Jahren, seit seiner inzwischen legendären Debüt-EP “Lions” erarbeitet hat. Man könnte behaupten, PATRICE wäre endlich angekommen - aber so jemand wie er kommt nirgendwo an, ohne bereits das nächste Ziel im Auge zu haben.
FREE-PATRI-ATION verdeutlicht zum einen, dass sich PATRICE nichts mehr beweisen muss, er hat seine wahre Stimme längst gefunden. Zum anderen lassen die neuen Songs kein Zweifel daran, dass er auch in Zukunft über sich hinauswachsen will.
“Ich kann nur sagen, dass ich an einem anderen Ort bin und mich viel besser fühle, auch meiner Musik gegenüber,” beschreibt PATRICE die grundlegenden Veränderungen und verweist, konkret die Produktion des neuen Albums betreffend, auf eine entscheidende Bereicherung:
“Ich habe mit Commissioner Gordon jemanden gefunden, der wirklich ein guter Freund ist. Mit dem es super Spaß gemacht hat, diese Platte aufzunehmen. Und bei dem ich das Gefühl hatte, komplett verstanden zu werden.”
Commissioner Gordon ist seit gut 25 Jahren im Musikbusiness. Einen von drei Grammys hat er für seinen Mix von “The Miseducation Of Lauryn Hill” bekommen. Zu seinen Schützlingen gehörte ebenso ein KRS-One wie die Familie Marley. Weiterhin betreute er Alicia Keys, Joss Stone und Amy Whinehouse. Der Mann hat schon einiges gesehen und gehört aber wenn man ihn nach Patrice fragt, kommt er ins Schwärmen:
“Er ist ein großartiger Songwriter und wir kommen sehr gut miteinander aus. Das ist das wichtigste. Wenn Musik entstehen soll, muss das richtige Feeling zwischen den Menschen da sein. Bevor man über Erfolgsalben spricht, ist die Verbindung der Menschen, die Musik machen wollen, wichtig. Erst wenn sie sich aufeinander einlassen und miteinander verbinden, kann gute Musik entstehen. Patrice und ich haben uns verbunden ...”
PATRICE bestätigt das, wenn er betont, wie maßgeblich das Album von der konkreten Aufnahmesituation beim Commissioner in New Jersey geprägt wurde. “Gerade wenn man nicht aufgenommen hat, die Gespräche, die man geführt hat, wie man sich auseinandergesetzt hat und wie das dann wieder in die Lyrics eingeflossen ist, die ich geschrieben habe - irgendwie hatte das mehr denn je den Bezug zur Wirklichkeit, zu dem was wirklich gerade passiert, das war sehr unmittelbar...”
Dennoch ist FREE-PATRI-ATION mehr als das Zeugnis einer außergewöhnlichen Kooperation, die in einer Freundschaft aufgegangen ist. Wie Commissioner Gordon bereits andeutete, können in einer Zusammenarbeit von dieser Qualität Erfolgsalben entstehen. Und das bedeutet nicht vorrangig, dass der Rubel rollt. Jenseits der kommerziellen Reichweite, zeigt sich dieser Erfolg für den Künstler in einem Gefühl von innerer Zufriedenheit - das ist ein bisschen wie Nachhause kommen.
Und so verstärkt sich im vieldeutigen Titel der Beiklang von Heimkehr. In FREE-PATRI-ATION stecken verschiedene Anspielungen. Das von befreiten Sklaven gegründete Freetown in Sierra Leone, Heimat seines Vaters ist ebenso im Titel zu finden wie die “(Re)Patriation”, die Befreiung und Heimkehr ehemaliger Sklaven; nicht zuletzt trifft hier auch ein selbstermächtigter PATRICE auf sein ganz eigenes Vaterland. Alles findet zusammen. So wie sich in der Musik alles zusammengefunden hat, selbstverständlich.
Und so ist es auch die spezifische Qualität des neuen PATRICE, dass er Dinge endgültig so zusammenführt, dass sie zu einer Einheit werden. Da verbinden sich klassische, jamaikanische Riddims mit afrikanischen Elementen im 6/8-Takt, eine klassische Folk-Paraphrasierung trifft auf Funk-Gitarren.
“Ich habe nach einem Element gesucht, das in allen Musikarten, die ich sehr gerne mag, konstant ist, und das habe ich im Groove gefunden,” erklärt PATRICE diese Fusionen und schließlich fällt es ihm selbst auf, das Geheimnis lüftet sich und fast verlegen gesteht er:
“Ich glaube, ich habe noch nie so gut die Stile gemischt und es dabei so scheinen lassen, als wäre es keine Mischung, als wäre es etwas, was einfach ein Stil für sich ist.”
Das kann man ihm nur glauben - FREE-PATRI-ATION hat den Stil einer persönlichen Unabhängigkeitserklärung - eigener kann kein Stil sein.
Tracks
Clouds
Another one
Dove of peace
Is it me
Praise his name
Same ol´story feat. ayo
Justifed
He don´t answer
No screwface feat. Seun Kuti
Appreci-luv
Do things to you
Speeding into the dark
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