Santana "All that I am"

- Santana "All that I am" - Arista
Es gibt eine Menge begabter Musiker auf der Welt, aber nur wenigen gelingt es, einen Zauber heraufzubeschwören, der ihren Stil einzigartig und ihren Sound unverwechselbar macht. Zu diesem erlesenen Kreis musikalischer Genies gehört der Gitarren-Virtuose Carlos Santana.
Auf seinem aktuellen Album „All That I Am” vermischt der aus Autlan de Navarro in Mexiko stammende Musiker Rock, Soul, Pop und Jazz zu einem brillanten Gesamtkunstwerk. „Es wird Zeit, dass wir erkennen, dass unser Inneres aus vielen verschiedene Facetten besteht“, sagt Santana. „Darum sind meine Alben so vielseitig. Ich kann mich in eine Menge Kulturen hineinversetzen. Und das soll in meiner Musik auch zum Ausdruck kommen.“
Nahtlos an sein Erfolgsalbum „Supernatural” anknüpfend, hat Carlos Santana für sein langerwartetes Projekt „All That I Am“ eine Reihe grandioser neuer Songs aufgenommen. Das Album enthält Kollaborationen mit Sean Paul, Michelle Branch, Mary J. Blige, Los Lonely Boys, Big Boi, Joss Stone und will.i.am, um nur die prominentesten Namen zu nennen. Santana nimmt den Hörer mit auf eine atemberaubende Reise durch die unglaublichsten Klanglandschaften. „Es gab keine Vorgaben“, sagt er. „Das komplette Material auf dieser Platte kommt unmittelbar von mir. Das macht sie zu etwas ganz besonderem.“
„Hermes”, ein Song von ungewöhnlich rauer Schönheit, ist der Opener des Albums. „Hermes“ ist eine altmodisch soulig-jazzige Hommage an das Leben in der Großstadt. Carlos’ lodernde Gitarre donnert durch einen Dschungel von Trommeln, gespielt von Dennis Chambers. Die fulminanten Bläser spielten Bill Oritz und Jeff Cressmann. Ein Sound, der Bilder heraufbeschwört von wilden Streitereien am Freitagabend, entspannten Jams am Samstag und dem Kirchgang am Sonntagmorgen. Raul Rekows Congas wären perfekt, den Tanz einer drallen Inselschönheit im Mondschein zu begleiten. Und dann setzt Santana mit seiner Gitarre ein und der Song klingt auf einmal ebenso beschwingt wie hypnotisch.
Das Stück ist mit seinem intensiven Groove eine Hommage an Fela und andere legendäre Meister des Afro-Beat. „Ich wollte einen Song schreiben, der so ausdrucksstark ist, dass man die afrikanische Erde beinahe zwischen den Zehen fühlen kann. Wenn ich Afrika besuche, bin ich kein Tourist oder Tarzan, sondern ein Künstler auf der Suche nach Inspiration und Erleuchtung. Durch ‚Hermes’ möchte ich einen Teil dieser neugewonnen Erkenntnis teilen.“
Santana beschreibt seine Stücke in der Phase vor der Produktion als „wunderschöne gläserne Schuhe auf der Suche nach der perfekten Cinderella“. Zusammen mit Branchenlegende und Produzent Clive Davis hat Carlos Santana Tag und Nacht daran gearbeitet, die gemeinsame Vision Wirklichkeit werden zu lassen. „Wenn sie uns in die Augen sehen, werden sie dort denselben unbändigen Hunger sehen“, lacht Santana. „Glauben sie mir, zwischen 1973 und 1997 habe ich mich mit den unterschiedlichsten Arten von Musik befasst. Aber es brauchte schon Clive, um mich zurück auf meinen eigentlichen Weg zu bringen. Unsere Flitterwochen haben wir hinter uns.“
Mit Michelle Branch hat Santana bei „The Game Of Love“ vom „Shaman-“Album schon einmal zusammengearbeitet. Ihr neues gemeinsames Projekt ist die Single „I’m Feeling You“. Mit diesem ungekünstelten, romantischen Großstadt-Lovesong steht Michelle Branch in der Tradition gefühlvoller Song-Dichterinnen wie Carole King. „Michelle ist wirklich großartig“, sagt Santana. „Es ist schon das zweite mal, dass wir zusammen aufnehmen. Sie ist toll und es fühlt sich einfach richtig an, wenn wir zusammen im Studio sind.“
‚Ich mache dich verrückt und du machst dasselbe mit mir’, singt Michelle während Santanas Gitarre den männlichen Part in der hier besungenen leidenschaftlichen Beziehung übernimmt. Michelle kann dabei zuckersüß oder eiskalt klingen. Doch egal wie explosiv die Lage ist, Branchs wundervolle Stimme und Santanas wilde Gitarre finden immer wieder einen Ausweg aus dem Liebeschaos. Branch hat an dem Stück als Co-Autorin mitgeschrieben und überzeugt einmal mehr mit emotionaler Tiefe und ungewöhnlicher Reife. Das Ergebnis ist ein unwiderstehlicher Popsong.
Mit dem Stück „Brown Skin Girl” gibt American-Idol-Gewinner Bo Bice sein Debüt bei einem Major-Label. ‘She’s a force of nature that I cannot out run/a devil and a savor all in one’, singt Bice und Santanas melodische Gitarre begleitet ihn. Bo Bice ist ein Newcomer, aber seine Neo-Country-Pop-Stimme überzeugt auf der ganzen Linie.
„Just Feel Better”, die Kollaboration mit Aerosmith-Sänger Steven Tyler, ist eine klassische Rock-Hymne, die das Publikum bei einem Live-Auftritt in ein Meer aus Feuerzeugen verwandelt. Das Team Tyler/Santana ist eine Rock’n’Roll-Traum-Kombination, die den Geist des Kalifornien der 70er Jahre beschwört.
Das Stück „My Man” soll Männer wie Frauen in ihrem Selbstbewusstsein bestärken und ihnen helfen, ihre individuellen Eigenheiten anzunehmen und auch in eine Beziehung einzubringen: „Im Fernsehen, in Zeitschriften und in vielen Popsongs kommen Männer oft wie planlose Idioten rüber. Mit ‚My Man’ möchte ich diesen Stereotypen entgegentreten“, erklärt Carlos Santana.
Die grandiose Mary J. Blige hat mit Sicherheit eine der herausragendsten Soul-Stimmen im Popgeschäft. Kongenial unterstützt wird die „Queen of Uptown Swing“ von Big Boi, der einen Hälfte des US-Erfolgs-Duos Outkast. Santanas Riffs glitzern wie zarte Regentropfen auf ihren Wangen und es ist schwer zu sagen, ob Marys Stimme jemals zuvor so vollendet und schön geklungen hat. Über Mary J. Blige sagt Santana: „Wie Michelle Branch hat auch sie dieses besondere Etwas, das über die Hautfarbe oder die Generation, der man angehört, hinausgeht.
Big Boi steuert Beat-Box-Sounds bei, Sleepy Brown singt im Hintergrund und Bassistin Debra Killings sorgt für den funky Groove. „My Man“ ist eine gleichermaßen atemberaubende wie entwaffnende Liebeserklärung an die Spezies Mann.
„Cry Baby Cry” ist ein romantischer Track über große Gefühle und Trennungsschmerz vor der Kulisse eines verschlafenen Küstenorts. Dancehall-Star Sean Paul und der britische Blue-Eyed-Soul-Shootingstar Joss Stone singen hier im Duett. „Es können nicht alle Songs smooth und entspannt sein”, sagt Santana, „darum ist mir diese Nummer besonders wichtig.“ Joss und Sean Paul ergänzen sich perfekt. „Cry Baby Cry“ ist pure, gefühlsbetonte Roots-Musik, stimmungsvoll wie die Blue Mountains auf Jamaika.
Auf „Twisted” singt US-Soul-Star Anthony Hamilton. Seit seinem Debütalbum bei Arista 2003 wurde er mit einer Menge Lob und Auszeichnungen bedacht – zu recht. Und Hamilton wird immer besser. „Twisted” hat das Zeug zum modernen Klassiker. „Wenn ich Anthonys Stimme höre, fühle ich mich an Künstler wie Donny Hataway oder Bill Withers erinnert. Anthonys Stimme ist so farbenprächtig und gleichzeitig so rein und klar“, schwärmt Santana.
Das Ende einer Liebesbeziehung ist traurig und Anthony Hamilton legt soviel Gefühl und Leid in seine anrührende Interpretation von „Twisted“, das es der Hörer fast körperlich spürt. Das Stück wurde von Dante Ross geschrieben und arrangiert, der schon für Hits von Everlast und Brand Nubian verantwortlich war. Der Song ist gleichzeitig umwerfend schön und tieftraurig. Santanas Gitarre erinnert an verzweifeltes Schluchzen. Das empfindsame Salsa-Soul-Stück gehört definitiv zu den Highlights des Albums.
Multitalent will.i.am., respektvoll der „Sly Stone der HipHop-Generation“ genannt, hat das erhebende „I Am Somebody“ geschrieben, produziert und rappt auch darauf.
Obwohl Carlos gerne mit vielen verschiedenen Künstlern zusammenarbeitet, ist es immer wieder ein Genuss, die Stimme von Santana-Band-Sänger Andy Vargas zu hören. „Da Tu Amor“ ist eine Mischung aus Latino-Doo-Wop, Funk und Rock, die mindesten zum Fingerschnipsen einlädt und heißblütigere Hörer womöglich wild auf der Straße tanzen lässt. „El Fuego“ ist pures, loderndes Feuer. Santana und seine Band entfachen ein musikalisches Inferno, das niemanden kalt lässt.
Carlos ist es wichtig zu betonen, dass das Album „All That I Am” ohne den Beitrag des ausführenden Produzenten Clive Davis nicht dasselbe wäre.
„Clive ist genial”, sagt Santana voller Respekt. „Er hat ein Ohr für Hits und er weiß, wie man Songwriter und Produzenten dazu bringt, Höchstleistungen abzuliefern. Er weiß instinktiv, was den Menschen da draußen gefällt. Ich bin dankbar, dass wir nach all den Jahren immer noch zusammenarbeiten. Er war der erste, der mich unter Vertrag genommen hat. Ich denke, dass wir im Studio zusammen immer noch große Dinge vollbringen können.“
Carlos Santana ist seit über dreißig Jahren im Geschäft und gilt längst als Ikone. Das Album „All That I Am” ist ein weiterer Meilenstein in der Karriere eines begnadeten Musikers auf dem Höhepunkt seines Schaffens.
Meinung
Zum dritten Mal in Folge versammelt Carlos Santana auf einem Album hochkarätige Gäste aus den unterschiedlichsten musikalischen Lagern und schneidert ihnen passgerechte Songs auf den Leib.
Nach dem Multi-Platin-Erfolg Supernatural und dem etwas schwächeren Shaman vertraut der 58-jährige Gitarrenhexer auch auf All That I Am wieder auf sein bewährtes Erfolgsrezept. Die Grundausrichtung der Scheibe ist etwas ernsthafter als in der Vergangenheit, was den 13 Tracks eine angenehme Tiefenschärfe verleiht, und stilistisch präsentiert sich Santana vielseitiger als je zuvor. Einige der Songs erinnern mit ihren furiosen Gitarren-Passagen an frühe Klassikeralben wie Abraxas, andere kommen betont modern, aber nie erzwungen trendy daher. Und für die Sahnehäubchen sorgen die zahlreichen von Santana perfekt in Szene gesetzten Superstars: Michelle Branch drückt "I´m Feeling You" genauso ihren unverkennbaren gesanglichen Stempel auf wie Aerosmith-Frontmann Steven Tyler dem gut abgehangenen "Just Feel Better". Auch Joss Stone, Sean Paul, Mary J Blige, Big Boi (Outkast) und Will.I.Am (Black Eyed Peas) können mit ihren Vocals überzeugen, und in instrumentaler Hinsicht ragt besonders "Trinity" mit den Sechs-Saiten-Zaubereien von Santana, Robert Randolph und Kirk Hammett (Metallica) heraus. Ein rundum gelungenes Album! Michael Rensen (amazon.de)
Tracks
1.Hermes
2.El Fuego
3.I'm Feeling You
4.My Man
5.Just Feel Better
6.I Am Somebody
7.Con Santana
8.Twisted
9.Trinity
10.Cry Baby Cry
11.Brown Skin Girl
12.I Don't Wanna Lose Your Love
13.Da Tu Amor
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