Zona Sul "Beira"

- Zona Sul "Beira" - Nagel Heyer Records
„Traumhaft.“ „Mitreißend.“ „Wunderschön.“ Wer mit solchen Lobeshymnen ausgestattet wird, hat es nicht leicht weiterzumachen. Stimmt nicht! Zumindest nicht immer...Literaturnobelpreisträger Günther Grass hält das nächste Buch immer für das schwierigste. Gleiches stellte auch Sepp Herberger als Fußballnationaltrainer fest: „Das nächste Spiel ist immer das schwerste.“ Ganz der Leichtigkeit des Bossa Nova verschrieben fielen dagegen Sophie Wegener, der deutsch-französischen Sängerin und Bandleaderin von ZONA SUL, die Aufnahmen für ihr neues Album BEIRA überhaupt nicht schwer. Doch gut Ding will Weile haben...
Nach den ausschließlich positiven Pressestimmen zu ihrem Debüt PURE LOVE (Nagel Heyer 2039) hatte sich die Sängerin bewusst zwei Jahre Zeit gelassen, um die Stücke für ihre zweite CD auszuwählen. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden. Erst eine inspirierende Reise nach Brasilien und zahlreiche Live-Auftritte mit ihrer hervorragend eingespielten Band zeigten, welche Stücke wirklich auf das nächste Album sollten. Geschafft haben es elf ihrer Lieblingstitel aus unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen, die schließlich im Sommer 2005 – nach einer Woche Live-Erprobung im Münchner Jazzclub Unterfahrt – im Studio von Florian Oestreicher für die Nachwelt verewigt wurden.
Der Name des beeindruckenden Ergebnisses: BEIRA – portugiesisch für Ufer, Strand, Grenze. Eine Einspielung, die noch eigenständiger ist als der Vorgänger PURE LOVE. Ein Album, das die Eigenart von Sophie Wegener und ihrer Band noch stärker zum Ausdruck bringt. Ein Aufbruch also zu neuen Ufern, mit Stücken über das Meer, das Leben und die Liebe. Musik die Grenzen überschreitet. Musik wie eine Reise.
Nachdem auf PURE LOVE vor allem Kompositionen von Jobim Zuhörer wie Kritiker begeisterten... „Musik, die alle Sinne umschmeichelt.“ Süddeutsche Zeitung „Auf dem besten Weg ein Bossa Nova-Star zu werden: Die Münchner Sängerin Sophie Wegener.“ Abendzeitung„Professionalität und Anspruch.“ Jazz Podium „Wegener schafft es in jeder Sprache, dem Hörer mit ihrem süßen Klagen den Kopf zu verdrehen.“ Jazzthing „Sinnlich und fragil.“ Cosmopolitan
...ist die Herkunft der Stücke auf BEIRA breiter gefächert.
So bat Sophie Wegener etwa den Gitarristen Pedro Tagliani den französischen Erfolgsschlager „Tous les garçons et les filles“ neu zu arrangieren (das Stück verkaufte sich in der Version von Françoise Hardy allein in Frankreich über 2 Millionen mal). Herausgekommen ist ein „choro“, ein typisch brasilianisches Stück, das nun selbst Françoise Hardy besser gefällt, als ihr Original, das sie 1962 weltberühmt machte. Pedro Tagliani und Tizian Jost zeigen hier in wunderschönen Unisono-Passagen ihre ganze Virtuosität. Und Sophie besticht wieder einmal mit ihrem akzentfreien Französisch. Oder „And I love her“ von den Beatles, hier neu arrangiert als Bossa Nova.
Auf der anderen Seite stehen „Vai e vem“ (von der befreundeten brasilianischen Sängerin Giana Viscardi, die beim Schreiben gleich dachte, dass dieses Stück zu Sophie Wegener passen würde) und „Mães e filhas“, das Pedro Tagliani eigens für ZONA SUL komponierte und bei welchem er zusammen mit Sophie Wegener singt. Die anderen Stücke stammen von unterschiedlichen brasilianischen Komponisten. „Lugar comum“ (Musik: João Donato, Text: Gilberto Gil, derzeitiger Kulturminister Brasiliens) wurde auch von Pedro Tagliani arrangiert. Er ist nicht nur mit einem Gitarrensolo zu hören, sondern singt auch. Bei „Canto de Iemanjà“, das zu den Afro-Sambas gehört, die Baden Powell und Vinicius de Moraes in den 60er Jahren schrieben, handelt es sich um eine Widmung an die afro-brasilianische Meeresgöttin des Candomblé-Kults. Charakteristisch für das Stück ist der durchgehende, hypnotische Basslauf. Es gehört zu den Stücken auf BEIRA, die etwas mit dem Thema Meer zu tun haben.
Ums Reisen/das Leben als Reise geht es in „Samba de Orly“ (Text von Diplomat und Poet Vinicius de Moraes) sowie „Encontros e despedidas“ (von MPB-Legende Milton Nascimento). „Dança da solidão“ stammt aus der Feder von Paulinho da Viola und „Mais feliz“ wurde von Bebel Gilberto, der Tochter von Bossa Nova-Legende João Gilberto, geschrieben. Einzig der Opener von BEIRA stammt noch von Jobim, der Sophie Wegeners Lieblingskomponist bleibt: „Por toda minha vida“ ist eine ergreifende Liebeserklärung, hier nur im Duo mit Piano aufgenommen.Herausgekommen ist eine Aufnahme, der es gelingt sowohl die mitreißende Stimme von Sophie Wegener, als auch das authentische Klangbild der Rhythmusgruppe wiederzugeben.
Das Album entführt den Zuhörer in einen Kurzurlaub nach Rio de Janeiro plus einem romantischen Wochenendtrip nach Paris. Traumhaft verpackt in einer knappen Stunde Musik – ein Muss nicht nur für Liebhaber brasilianischer Klänge.
Sophie Wegener (vocals): Tochter einer Französin und eines Deutschen. Zweisprachig aufgewachsen, Klavierunterricht mit 10, Gesangsunterricht mit 17. Studium in den USA, Frankreich und England. Zunächst Jazzsängerin bis sie auf einer Reise nach Brasilien ihre Liebe zum Bossa nova entdeckt. Gründete 1999 ZONA SUL, singt auf Portugiesisch, Französisch und Englisch.
Pedro Tagliani (guitar & vocals): Gitarrist, Arrangeur und Komponist. Geboren in Porto Alegre, Brasilien. Dort Gitarrenstudium. Gitarrist und Komponist der Gruppe „Raiz de Pedra“, mit der er vier Alben einspielte, u.a. „Diário de Bordo“ (Enja). Zusammenarbeit u.a. mit Egberto Gismonti, Dave Samuels, Wolfgang Lackerschmidt und Thomas Kugi. CD als Leader „Arvoredo“ mit Thomas Kugi.
Tizian Jost (piano): einer der gefragtesten Jazzpianisten im süddeutschen Raum. Begleitete u.a. Mark Murphy, Tony Lakatos, die Brasilianerin Leny Andrade und Dusko Goykovich. Intensive Auseinandersetzung mit brasilianischer Musik, gründete mit der brasilianischen Sängerin Lygia Campos die Band DOMUNDO. Mit seinem Trio, zu dem Klaus Weiss und Thomas Stabenow gehören, nahm er kürzlich die CD „Our reflections“ (Atelier Sawano) auf.
Matthias Engelhardt (bass): „Neuzugang“ bei ZONA SUL. Besticht durch seine Spielfreude und die authentisch „brasilianische“ Spielweise. 1. Preisträger bei „Jugend jazzt“ (1996), Stipendium „Berklee College of Music“, Boston, USA. Dort befasst er sich intensiv mit Jazz- und Worldmusic. Seit 2000 freiberuflich Musiker in München, Zusammenarbeit mit Bobby Shew, Wolfgang Haffner, Peter Herbolzheimer, George Garzone, Zoe, u.v.a.
Hajo v. Hadeln (drums): Versierter, ideenrreicher und einfühlsamer Begleiter. Intensive Beschäftigung mit brasilianischer Musik, „Fortbildung“ beim Rosa Passos-Schlagzeuger, Celso Almeida. Bekannt durch die DSF-Sendung „Doppelpass“, dort Schlagzeuger von Trio LaHaze. Mitwirkung bei zahlreichen Musical-, Operetten- und Theaterproduktionen. "...v. Hadeln braucht mit seiner technischen Brillanz keinen Vergleich mit Jazzschlagzeugern vom Rang eines Art Blakey zu scheuen." Süddeutsche Zeitung
ZONA SUL - südlicher Teil von Rio de Janeiro, die Viertel Ipanema und Copacabana. Geburtsort des Bossa Nova.
Tracks
1.Por toda minha vida
2.Tous les garcons et les filles
3.Vai e vem
4.Canto de Iemanjá
5.And I love her
6.Lugar comum
7.Mais feliz
8.Encontros e despedidas
9.Danca da solidao
10.Samba de Orly
11.Maes e filhas
Fazit
Ein wunderschönes Album, mit einer ebenso wunderbaren Auswahl an Musikstücken. Klar, wenn es sich um Titel der Großmeister der brasilianischen Musik wie Toquinho, Paulinho da Viola, Baden Powell, Tom Jobim, Milton Nascimento und natürlich Vinicius de Moraes handelt. Alle die Songs werden beinahe zärtlich von Sophie Wegener und ihren Weggefährten behandelt. Samba cancao in seiner schönsten Form. Schöner kann man seine Liebe zur brasilianischen Musik nicht ausdrücken und die CD muss man einfach in einem Stück durchhören. Wenn man es nicht besser wüsste, man würde Zona Sul als brasilianische Gruppe einstufen und ein größeres Lob kann es kaum geben. Denn sie haben die "Ginga" die nur die Brasilianer haben und die auch für die besten ausländischen Musiker sehr schwierig ist zu erreichen. Aber bittet mich nicht darum das Wort zu übersetzen. Es ist genauso schwierig wie die Ginga selber. Und Sophie Wegner hat eine wirklich gute Aussprache des Portugiesischen und zwar des brasilianischen. Que beleza gente! Unbedingter CD-Tip! (Bernd Kielmann)
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